60 Jahre und kaum ergraut – „Die Weisweiler“ feiern mit Musik nonstop

Eschweiler-Weisweiler. Groß war es, das Jubiläum des Trompetensounds „Die Weisweiler“. Jenes Orchester, dessen Name dessen Herkunft verrät, feierte mit 60 Jahren runden Geburtstag und bot in der Festhalle in der Heimat einen Abend lang Musik nonstop. Vor allem das mit eigenarrangierter Live-Musik und mit zwei Kölner Stimmungsbands gestaltete Festprogramm lockte zahlreiche Gäste und Gratulanten an.

Nach dem ersten musikalischen Appetizer in Gestalt der „Jugendtrompeter“, dem Nachwuchs des Fanfarencorps, scheute das Eschweiler Zwiegespräch nicht, durch den Abend zu leiten. Labbes on Drickes, oder Michael Henkel und Guido Streusser, die ebenfalls kurz vor einem runden Jubiläum stehen, blickten auf die Historie von 60 Jahre „Die Weisweiler“ zurück und nahmen dabei das Gründungsjahr genau unter die Lupe.

12 Mann stark war das Corps, als es 1957 unter der Leitung von Lambert Greven die erste Karnevalssession bestritt. Am Elften im Elften debütierte das Orchester bei seinem eigenen Verein, der KG Lätitia von 1878 Blaue Funken Weisweiler. Auswärtige Engagements folgten und nach kurzer Zeit bestand der Fanfarenzug aus zwanzig Musikbegeisterten. Stetig entwickelte sich der Trompetensound weiter: ob neue Instrumente, die Nachwuchsarbeit durch die „Jugendtrompeter“, Engagements im Rheinland und darüber hinaus, die Gründung der „Klütteblööser“, aber auch CD-Produktionen machten deutlich, dass man breit aufgestellt ist.

Nur vier – so bemerkten auch Labbes on Drickes – Corpsführer zählt das Fanfarencorps bis heute. Auf Greven folgte Johannes Faber und schließlich Dietmar Krauthausen, der 25 Jahre lang musikalischer Leiter war. Modern und unerschrocken wurden Entscheidungen gefällt, sodass neben dem deutschsprachigen Raum auch Verpflichtungen unter anderem in Spanien, Italien, Türkei oder Frankreich folgten und man die bekannte Soulsängerin Inga Rumpf begleitete. Der Bezug zur Heimat blieb aber nicht auf der Strecke, da bei vergangenen Jubiläum die Festhalle oder der Park in Weisweiler Schauplatz für Konzerte mit mehreren Tausend Besuchern waren.

Nun, mit 60 Jahren, ist der Trompetensound aber keinesfalls ergraut. Durch den Generationswechsel übernahm Oliver Brosius mit 21 Jahren die musikalische Leitung von Dietmar Krauthausen und steht für die Verjüngung des mehr als 20 Köpfe großen Corps. Kennzeichnend für „Die Weisweiler“ ist der Big-Band-Stil, mit dem sie sich jedoch nicht in Schubladen stecken lassen. Ihre musikalische Vielfalt bewiesen sie an ihrem Geburtstag und präsentierten kontrastreich von Karnevalistischem, durch die Bank aktuelle, aber auch vergangene Hits und wagten den Schritt in die Ecke Swing uns Ballermann.

Bevor sie aber in ihr Jubiläumsrepertoire einstiegen, überreichten Klaus Dellile und Sandra Zimmermann, Vorsitzende des Festausschusses, der verschiedenste Personen aus Wirtschaft, Politik oder Privatleute umfasste, einen Scheck in Höhe von 3900 Euro.

Dass sie musikalische Bandbreite zelebrieren, davon zeugte neben rein instrumentalen Stücken die Riege der Sänger, die sich die Klinke in die Hand gaben. Torsten Esser stieg als Erster gesanglich ein, begleitete unter anderem zu dem Chart-Erfolg „Shut up and dance“, ehe weitere Titel folgten. Björn Frings übernahm als Ehemaliger und unterhielt zum Klassiker „It’s not unusual“, aber auch weitere Songs performte er mit kräftiger Stimme. Als weibliche Gespielin trat Andrea Luchs auf den Plan und interpretierte den neueren Titelsong „Skyfall“ aus dem gleichnamigen James Bond-Film.

Bevor eine kleine Pause vor allem dem Bläsersegment Zeit zum Luftholen bescherte, wurden die beiden verbliebenden Gründungsmänner Peter Mocken und Josef Sieger begrüßt und verdiente Mitglieder der Fanfaren geehrt. Hubert Krott wurde zum Ehrenmitglied ernannt, Wolfgang Stehnten erhielt eine Auszeichnung für 40 Jahre Mitgliedschaft und Thomas Sistermann wurde als Techniker verabschiedet. Der Song „My way“ belohnte die Geehrten anschließend musikalisch.

Nach einer kurzen Pause und einer weiteren humoristischen Einlage durch das moderierende Zwiegespräch wussten die Musiker ihr Publikum einzuheizen. Dauerbrenner in den Bereichen Pop, Schlager, Karneval, aber vor allem die, dank der zurückliegenden Prinzensession, neue Hymne auf die Heimat „Mih Wisswille“ ließ die Gäste tanzen, singen und sich in den Armen liegen. Das erklärte Ziel, mit Musik zu begeistern und dabei nicht vor Experimenten zu scheuen, ging spätestens dann auf, als die Sänger Esser und Frings spontan das Finale gemeinsam performten, ehe der Laridah das Jubiläumsprogramm abschließend krönte.

Doch wer denkt, damit sei Schluss gewesen, täuschte sich. Der Abend, der hauptsächlich durch Volker Pchalek, Vorsitzender des Trompetensounds, und den ehemaligen Corpsführer Dietmar Krauthausen organisiert wurde, ging noch weiter. Dank des finanziellen Engagements der Fördermitglieder und der Bevölkerung, so Krauthausen, konnte das Jubiläum bei preiswertem Eintritt genossen werden. Zwei hochkarätige Kölner Bands bestritten die Herausforderung, an das Stimmungshoch der Fanfaren anzuknüpfen.

Die Domstürmer und die neuen Durchstarter Kempes Feinest setzten in ihre Bühnenshows ihren ganzen Einsatz und bewiesen, dass auch in der Sommerzeit kölsche Tön gefragt sind. Micky Nauber und Nici Kempermann können als Pendant zueinander gelten, da sie durch und durch als Energiebündel und Frontsänger bzw. -Sängerin ihrer Band die Bühnenbretter und den Saal zum Beben brachten.

So war es bereits nach Mitternacht, als der letzte Ton live musiziert und gesungen wurde. Doch auch dann war noch nicht Schluss, denn im Foyer wartete die After-Showparty auf die Feierwütigen, die immer noch nicht genug hatten und mit dem Trompetensound „Die Weisweiler“ das Jubiläum ausklingen lassen wollten. (mah)

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Bilder Manuel Hauck